Wer ein Konzert organisiert, plant in sieben Phasen rückwärts vom Konzerttag: 12 Monate vorher Ort und Termin, 6 Monate vorher Programm, Probenplan, Anmeldungen und Versicherung, 3 Monate vorher Technik und Werbung, 4 Wochen vorher Kasse, Einlass und Helfer, dann Konzertwoche, Konzerttag und Nachbereitung. Die wichtigste Entscheidung fällt zuerst: Wer ist Veranstalter im rechtlichen Sinn, denn bei ihm liegen Anmeldung der Musik bei der GEMA, Genehmigungen und Versicherung. Diese Checkliste ist für Chöre, Orchester und Musikvereine geschrieben, die ein eigenes Konzert am Heimatort veranstalten; für Konzerte auswärts und im Ausland steht am Ende ein eigener Abschnitt.
Phase 1: Ort und Termin (12 Monate vorher)
Zwölf Monate vor dem Konzert stehen Termin, Raum und Rollen fest. Kirchen, Säle und Stadthallen haben eigene Veranstaltungskalender, gute Termine im Advent und vor Ostern sind früh vergeben. In dieser Phase klärt das Ensemble auch, wer Veranstalter ist: der Verein selbst, die Kirchengemeinde oder ein Kooperationspartner. Davon hängen alle Pflichten der folgenden Phasen ab.
Zum Abhaken
- Anlass und Konzertformat festlegen: Jahreskonzert, Kirchenkonzert, Benefizkonzert, Jubiläum oder Begegnungskonzert
- Wunschtermin und einen Ausweichtermin festlegen, Überschneidungen mit Ferien, Feiertagen und Konzerten anderer Ensembles am Ort prüfen
- Raum anfragen: Platzzahl, Bühnen- oder Altarfläche, Akustik, Barrierefreiheit, Parkplätze
- Raumnutzung schriftlich bestätigen lassen: Zeiten für Aufbau, Stellprobe und Abbau, Nutzungsbedingungen, Kosten
- Veranstalter im rechtlichen Sinn festlegen und im Vorstand beschließen
- Budgetrahmen beschließen: Raum, Honorare, Notenmaterial, Technik, Werbung, Anmeldung der Musik, Versicherung
- Organisationsteam benennen: Gesamtleitung, Programm, Technik, Werbung, Kasse und Helfer
Phase 2: Programm, Probenplan und Anmeldungen (6 Monate vorher)
Sechs Monate vor dem Konzert stehen Programm, Besetzung und Probenplan, und der Veranstalter klärt Anmeldungen und Versicherung. Musik, die von der GEMA vertreten wird, meldet der Veranstalter vor dem Konzert an und reicht danach die Musikfolge ein, beides über das Onlineportal der GEMA. Ob eine Genehmigung nötig ist und welche Auflagen gelten, hängt vom Raum, von der Besucherzahl und vom Bundesland ab; das klärt die Rückfrage beim Hausherrn und bei der Gemeinde. Manche Chor- und Musikverbände haben mit der GEMA Rahmenverträge oder übernehmen Kosten für Mitglieder; die Frage an die Geschäftsstelle lohnt sich vor jeder Anmeldung.
Programm und Probenplan
- Programm festlegen, Länge mit Pause berechnen und in kürzbaren Blöcken planen
- Notenmaterial beschaffen: Kauf oder Leihe, Leihfristen und Rückgabe notieren
- Solisten, Aushilfen und Begleitung anfragen und schriftlich bestätigen lassen
- Probenplan bis zum Konzert erstellen, mit Registerproben, Tuttiproben und Generalprobe
- Probenraum für Zusatzproben und die Generalprobe im Konzertraum reservieren
Anmeldungen und Versicherung
- Beim eigenen Chor- oder Musikverband nachfragen, ob ein Rahmenvertrag mit der GEMA oder eine Kostenübernahme für Konzerte besteht
- Konzert vor dem Termin bei der GEMA anmelden, wenn geschützte Werke gespielt werden
- Prüfen, ob für Honorare an Künstler eine Abgabe an die Künstlersozialkasse anfallen kann
- Beim Hausherrn und bei der Gemeinde klären, ob die Veranstaltung angemeldet oder genehmigt werden muss und welche Auflagen gelten
- Veranstalterhaftpflicht prüfen: besteht sie über den Verein oder den Verband, deckt sie dieses Konzert ab
- Instrumentenversicherung für eigene und geliehene Instrumente prüfen
Phase 3: Technik, Bühne und Werbung (3 Monate vorher)
Drei Monate vor dem Konzert steht der Technikbedarf auf einer Seite und die Werbung beginnt. Ein Konzert ohne Publikum scheitert selten an der Musik, sondern an zu später Ankündigung: Gemeindebriefe, Vereinszeitschriften und Veranstaltungskalender haben Redaktionsschluss oft Wochen im Voraus.
Technik und Bühne
- Bühnenplan zeichnen: Aufstellung, Podeste, Stühle, Notenpulte, Platz für Dirigent und Solisten
- Instrument vor Ort klären: Klavier, Flügel oder Orgel, Stimmtermin vor dem Konzert vereinbaren
- Licht, Notenlicht, Strom und Mikrofon für Moderation oder Ansagen klären
- Garderoben und einen abschließbaren Raum für Instrumentenkoffer und Wertsachen festlegen
- Tontechnik oder Aufnahme planen, wenn gewünscht, und Einverständnis der Mitwirkenden einholen
Werbung
- Plakat und Handzettel gestalten: Titel, Ensemble, Datum, Uhrzeit, Ort, Eintritt oder Kollekte, Vorverkauf
- Termin in Gemeindebriefe, Vereinszeitschriften und Veranstaltungskalender der Stadt eintragen lassen
- Pressetext und ein druckfähiges Foto für die örtliche Presse vorbereiten
- Website und Social-Media-Kanäle des Ensembles mit einem Veröffentlichungsplan bestücken
- Mitglieder bitten, Familie, Freunde und Kollegen persönlich einzuladen
- Vorverkauf festlegen: Stellen, Ticketsystem oder Reservierung per E-Mail
Phase 4: Kasse, Einlass und Helfer (4 Wochen vorher)
Vier Wochen vor dem Konzert verschiebt sich die Arbeit von der Planung zu den Menschen: Wer steht wann wo. Ein Konzert braucht mehr Helfer als Mitwirkende denken, für Einlass, Kasse, Garderobe, Bewirtung, Auf- und Abbau. Ein Helferplan mit Uhrzeiten verhindert, dass am Konzerttag die Sängerinnen und Sänger selbst Stühle tragen, statt sich einzusingen.
Kasse und Einlass
- Eintritt, Abendkasse oder Kollekte endgültig festlegen und kommunizieren
- Wechselgeld, Kassenbuch und Quittungsblock vorbereiten, zwei Personen für die Kasse einteilen
- Bei Kollekte klären: wer zählt, wer quittiert, wofür das Geld bestimmt ist
- Einlasszeit festlegen und am Eingang ausschildern, Platzanweisung und reservierte Plätze planen
- Programmheft schreiben und drucken: Programmfolge, Mitwirkende, Texte, Dank an Förderer
Helfer
- Helferplan mit Aufgaben und Uhrzeiten erstellen: Aufbau, Einlass, Kasse, Garderobe, Bewirtung, Abbau
- Ansprechperson für Notfälle benennen und Fluchtwege mit dem Hausherrn durchgehen
- Bewirtung in der Pause klären: wer verkauft, was ist mit dem Hausherrn abgesprochen
- Dank an Helfer gleich mitplanen
Phase 5: Konzertwoche
In der Konzertwoche finden Generalprobe und letzte Bestätigungen statt. Jede Zusage, die bisher nur mündlich war, wird jetzt kurz schriftlich bestätigt: Schlüssel, Zeiten, Stimmtermin, Helfer.
Zum Abhaken
- Generalprobe im Konzertraum, mit Aufstellung, Auf- und Abgängen und Pause
- Zeiten mit dem Hausherrn bestätigen: Schlüsselübergabe, Aufbau, Stellprobe, Einlass, Ende
- Stimmtermin für Klavier oder Flügel bestätigen
- Helferplan an alle Helfer schicken, mit Treffpunkt und Telefonnummer der Gesamtleitung
- Ablaufplan für den Konzerttag an alle Mitwirkenden verteilen: Ankunft, Einsingen oder Einspielen, Konzertkleidung
- Letzte Erinnerung über Website, Social Media und Mitglieder
Phase 6: Konzerttag
Am Konzerttag wird der Ablauf rückwärts vom Konzertbeginn geplant: Einlass, davor Umziehen und Einsingen oder Einspielen, davor Stellprobe, davor Aufbau. Wer nur die Konzertzeit kennt, verliert den Puffer zuerst.
Zum Abhaken
- Aufbau nach Bühnenplan, Stühle, Pulte und Notenlicht prüfen
- Stellprobe im Raum: Aufstellung, Klang, Auf- und Abgänge
- Kasse, Einlass, Garderobe und Bewirtung nach Helferplan besetzen
- Begrüßung, Moderation und Dank an Gastgeber, Förderer und Helfer vorbereiten
- Fotos nur mit Einverständnis der Abgebildeten, Hinweis für das Publikum zu Foto und Aufnahme
- Abbau, Raumübergabe und Kassenabschluss mit zwei Personen
Phase 7: Nach dem Konzert
Nach dem Konzert bleiben Abrechnung, Pflichtmeldungen und Dank. Die Musikfolge geht an die GEMA, wenn das Konzert dort angemeldet war, und die Abrechnung an den Vorstand. Ein kurzer Rückblick im Organisationsteam ist der Startpunkt für das nächste Konzert.
Zum Abhaken
- Musikfolge bei der GEMA einreichen, wenn das Konzert angemeldet war
- Abrechnung erstellen: Einnahmen, Ausgaben, Kollekte, Belege an den Kassenwart
- Geliehene Noten, Instrumente und Technik fristgerecht zurückgeben
- Dank an Hausherrn, Solisten, Helfer und Förderer senden
- Konzertbericht und Fotos mit Einverständnis für Website, Presse und Vereinszeitschrift
- Rückblick im Organisationsteam: was hat funktioniert, was ändern wir beim nächsten Mal
Konzert auswärts oder im Ausland: was zusätzlich zu planen ist
Findet das Konzert nicht am Heimatort statt, verschiebt sich die Arbeit. Den Raum, die Anmeldung der Musik und die örtliche Werbung übernimmt in der Regel ein Gastgeber vor Ort, zum Beispiel eine Kirchengemeinde, ein Partnerchor oder ein Festival; das Ensemble muss schriftlich klären, wer dort Veranstalter ist. Im Ausland ist nicht die GEMA zuständig, sondern die Verwertungsgesellschaft des jeweiligen Landes. Dazu kommen Reise, Unterkunft, Instrumente und ein Tagesplan, der zur Anreise passt. Wie ein Gastkonzert Schritt für Schritt geplant wird, steht im Leitfaden Konzert auswärts organisieren.
Für Konzertreisen übernimmt ensemble.tours als Reiseveranstalter Anreise, Unterkunft und Tagesplan und auf Wunsch die Auftrittsorganisation, gebucht als Pauschalreise mit Sicherungsschein nach § 651r BGB. Ein Richtangebot mit den Kostenpositionen einzeln kommt kostenlos und unverbindlich innerhalb von 2 bis 3 Werktagen.
Zusätzlich zum Abhaken
- Gastgeber vor Ort finden und schriftlich klären: Veranstalter, Raum, Genehmigung, Anmeldung der Musik, Werbung, Kasse
- Anreise planen: Bus, Bahn oder Flug, mit Platz für Instrumente und Lenk- und Ruhezeiten des Fahrers
- Unterkunft für die Gruppe buchen, mit Zimmerliste und Frühstückszeiten passend zum Tagesplan
- Instrumentenliste erstellen: was mitreist, was vor Ort gestellt und vorher bestätigt wird
- Bei Zielen außerhalb des EU-Zollgebiets das Carnet ATA für Instrumente früh beantragen
- Tagesplan rückwärts vom Konzertbeginn rechnen: Einlass, Stellprobe, Aufbau, Ankunft, Abfahrt
- Bei Jugendlichen: Aufsicht, Einverständniserklärungen und Nachtruhe regeln
Über den Autor: Ulf Zimmermann
Ulf Zimmermann ist Gründer von ensemble.tours. Nach einer Ausbildung bei einem lokalen Reiseveranstalter organisiert er seit über 30 Jahren den Groundtransport für Musikgruppen. Er hat Ensembles auf Reisen in Europa und nach Amerika persönlich begleitet und war in Europa selbst als Busfahrer für Musikgruppen unterwegs.